Schaltwarte Kraftwerk Wienerbruck Andi Digruber

Land & Leute

Zuhause im Kraftwerk.

„Man erinnert sich immer nur an das Gute“, meint Andreas Digruber lachend, als wir ihn nach seinen Erlebnissen in dieser ganzen Zeit fragen. Schon als er vor mittlerweile 31 Jahren hierherkam, dachte er sich: „Schauen wir einmal, wie es läuft. Weggehen kann ich immer noch.“ Er ist bis heute geblieben.

Das Kraftwerk Wienerbruck wird gerne als die Urzelle der heutigen EVN bezeichnet. Errichtet wurde es ursprünglich, um die Mariazellerbahn mit Strom zu versorgen. Bei seiner Eröffnung 1911 war es das größte Speicherkraftwerk Österreich-Ungarns. Etwas ganz Besonderes ist auch seine Lage, denn idyllischer als Wienerbruck kann ein Kraftwerk kaum liegen. Rundherum nur die Berge, das sanfte Plätschern des Ötscher Bachs und die unberührte Natur des Ötscher Naturparks. Das fordert natürlich von den Besuchern auch einen Tribut: Autos gibt es hier keine. Erreichbar ist das Kraftwerk nur über einen 400 m Schrägaufzug oder zu Fuß über einen Wanderweg – und das auch für Andreas Digruber. Der Wanderweg hat übrigens auch Digrubers Frau hierhergeführt. Sie kam mit einer Wandergruppe, man lernte sich näher kennen – und schließlich zog sie zu ihm und ist bis heute die Gefährtin an seiner Seite. Ihre beiden Kinder sind hier aufgewachsen, täglich mit der Seilbahn in die Schule gefahren und haben von hier aus auch ihre ersten Schritte ins eigene Leben gemacht.

Kraftwerk Wienerbruck Andi Digruber Ötschergräben

Zu tun gibt es genug: Andreas ist den ganzen Tag rund um das Kraftwerk unterwegs.

In „seinem“ Kraftwerk kümmert sich Andreas Digruber praktisch um alle anfallenden Arbeiten: Inspektion, Wartung, Reparaturen, Transporte über den Schrägaufzug und einiges mehr. Als Mitglied im kraftwerksübergreifenden Team kann der gelernte Schlosser und Elektriker zwar bei Bedarf Unterstützung anfordern. Die meisten Arbeiten erledigt er aber ohne Hilfe von außen. Sein Tag beginnt immer mit einem Kontrollgang: ein Blick über die Maschinen, Hineinhören in die Geräusche.

Andreas Digruber kennt sein Kraftwerk mittlerweile so gut, dass er jede Veränderung wahrnimmt und erkennt, wenn etwas nicht stimmt. „Es ist immer besser, Fehler zu erkennen, bevor etwas wirklich kaputt wird“, erklärt er. Deshalb ist ihm dieser tägliche Rundgang so wichtig. Danach erst kümmert er sich um die Dinge, die gerade anstehen – und es gibt immer genug zu tun. Personen, Einkäufe, Material, Ersatzteile – alles wird über den Schrägaufzug zum Kraftwerk gebracht.

Das Leben im Kraftwerk wirkt auf den ersten Blick vielleicht romantisch. Für den Alltag bedeutet es allerdings einiges an vorausschauender Planung. Niemand fährt hier schnell einmal ins Geschäft zurück, weil er etwas vergessen hat. Herausfordernd kann es auch im Winter werden. Fällt viel Schnee, kommt es vor, dass die Familie mehrere Tage eingeschneit ist. Dann bleiben alle zuhause und warten, dass sich die Wetterlage beruhigt. Angst hat Digruber übrigens keine – er hat sich längst an die nächtlichen Geräusche, Wetterkapriolen und vieles andere gewöhnt.

Ein Ort der Ruhe und der Kraft Und was hält eigentlich Andreas Digruber seit mehr als 30 Jahren hier beim Kraftwerk? Es ist seine Beständigkeit, meint er: „Das faszinierende ist, dass das Kraftwerk schon seit 100 Jahren besteht und immer noch funktioniert. Da ist viel passiert in der Welt und hier ist immer noch alles beinahe gleichgeblieben.“

Diese Faszination gibt Andreas Digruber auch gerne weiter. Immer wieder nimmt er sich die Zeit, mit Wanderern, die vorbeikommen, ein bisschen zu plaudern und ihnen spannende Einzelheiten zum Kraftwerk zu erzählen.

Wollt auch ihr einmal das Kraftwerk Wienerbruck erleben? Dann schaut am besten gleich HIER vorbei.

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